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SPEC_TABELLE

Barfußschuhe vergleichen: Sprengung, Sohlendicke und Zehenbox in mm

Wer Barfußschuhe vergleichen will, stößt zuerst auf ein Datenproblem: Hersteller geben ihre Werte unterschiedlich an, manche gar nicht. Vergleichbar wird es erst, wenn dieselben Maße in derselben Spalte stehen und dazu steht, wo gemessen wurde.

Diese Übersicht ist deshalb kein Ranking. Sie will Barfußschuhe vergleichbar machen, nicht in eine Reihenfolge zwingen. Sie sortiert nach Einsatzbereich und lässt die Bewertung offen, weil eine Sohle von 3,0 mm nicht besser oder schlechter ist als eine von 8,5 mm, sondern für einen anderen Untergrund und einen anderen Erfahrungsstand gebaut. Eine Note würde eine Rangfolge behaupten, die es nicht gibt, und die Entscheidung genau an der Stelle abnehmen, an der sie von der eigenen Fußbreite abhängt.

Wer nur eine Zahl mitnehmen will: die Innenweite der Zehenbox an der eigenen Ballenlinie. Sie entscheidet vor allen anderen Spalten, und sie ist die einzige, die sich im Nachhinein nicht korrigieren lässt.

Die Tabelle enthält neun Modelle in drei Gruppen: Straße, Trail und ein gedämpftes Modell mit Nullsprengung, das zeigt, warum die Sprengung als alleiniges Kriterium nicht ausreicht. Innerhalb einer Gruppe lassen sich Barfußschuhe vergleichen, ohne dass die Spalten ihre Bedeutung wechseln.

Alle neun Modelle, sortiert nach Einsatzbereich
Sprengung, Sohlendicke, Stollenhöhe, Zehenbox und Gewicht
ModellSprengungSohle StollenZehenboxGewichtEinsatz
Merrell Vapor Glove 6 0,0 mm 6,5 mm 94 mm 173 g Straße
Vivobarefoot Primus Lite 0,0 mm 4,0 mm 98 mm 185 g Straße
Xero Shoes HFS II 0,0 mm 5,5 mm 101 mm 184 g Straße
Vibram FiveFingers V-Run 0,0 mm 8,5 mm anatomisch, Einzelkammern 158 g Straße
Freet Feldom 0,0 mm 3,0 mm 4,0 mm 103 mm 210 g Trail
Merrell Trail Glove 7 0,0 mm 6,5 mm 2,5 mm 95 mm 225 g Trail
Vivobarefoot Primus Trail II FG 0,0 mm 4,0 mm 3,5 mm 99 mm 245 g Trail
Xero Shoes Scrambler Low 0,0 mm 5,5 mm 3,5 mm 102 mm 278 g Trail
Altra Escalante 0,0 mm 24,0 mm 99 mm 241 g gedämpft

Tabelle seitlich verschiebbar

PAARE

Barfußschuhe vergleichen: zwei Modelle direkt nebeneinander

Acht Paarungen, bei denen sich die Entscheidung tatsächlich stellt: gleicher Einsatzbereich, vergleichbarer Preis, und ein Unterschied, der die Wahl trägt. Jede Seite nennt die Frage, die sie beantwortet, und rechnet die Differenzen aus derselben Tabelle wie oben.

Vapor Glove 6 gegen HFS II

Welcher passt zu meiner Ballenbreite?

Vapor Glove 6 gegen Primus Lite

Asphalt oder Waldboden?

Primus Lite gegen HFS II

Mehr Bodengefühl oder mehr Platz für die Zehen?

Trail Glove 7 gegen Primus Trail II FG

Schotter oder nasser Lehm?

Feldom gegen Scrambler Low

Maximales Bodengefühl oder Schutz auf Geröll?

Primus Lite gegen Primus Trail II FG

Brauche ich das Profil?

Escalante gegen Vapor Glove 6

Was macht einen Barfußschuh eigentlich aus?

FiveFingers V-Run gegen Vapor Glove 6

Brauchen meine Zehen einzelne Kammern?

MESSPUNKTE

Sprengung und Sohlendicke: wo genau gemessen wird

Querschnitt: 0 mm Sprengung, 4 mm Sohle
Querschnitt einer Sohle mit 0 mm Sprengung und 4 mm Dicke
  • Links die Ferse, rechts der Ballen
  • Beide Maßlinien gleich lang: das sind 0 mm Sprengung
  • Die Sohlendicke wird unter dem Ballen genommen
  • Ohne Einlegesohle gemessen

Die Sohlendicke wird unter dem Ballen des ersten Zehengrundgelenks genommen, senkrecht und ohne Einlegesohle. Das ist der Punkt, an dem beim Abdruck die höchste Last ankommt, und gleichzeitig der, an dem sich die Sohle zuerst abträgt. Herstellerangaben schließen die Einlegesohle häufig ein, was zwei bis drei Millimeter Unterschied ausmacht.

Die Sprengung ist die Differenz zwischen diesem Wert und derselben Messung unter der Ferse. Bei allen neun Modellen liegt sie bei 0,0 mm, was sie zur Kategorie macht, aber untereinander nicht unterscheidet. Genau deshalb steht sie hier in der Tabelle und ist trotzdem nicht das Auswahlkriterium.

Die Zehenbox wird als Innenweite an der Ballenlinie erfasst, nicht als Außenmaß der Sohle. Die Sohle ist bei fast allen Modellen breiter als der Raum darin, und Herstellerangaben nennen häufig das Außenmaß. Bei Modellen mit Einzelkammern für die Zehen lässt sich kein sinnvoller Einzelwert angeben; dort steht „anatomisch“.

Die Stollenhöhe ist der Abstand zwischen Sohlenunterseite und Stollenoberkante. Sie gilt nur für Trailmodelle. Bei Straßenmodellen mit flachem Profil steht ein Strich, weil ein Wert unter einem Millimeter für den Grip keine Rolle spielt.

Zwei Sohlen nebeneinander, flaches und tieferes Profil
Zwei Barfußschuhe liegen mit der Sohle nach oben nebeneinander auf weißem Papier; die linke Sohle ist dünner mit flachem Profil, die rechte etwas dicker mit tieferen Stollen

EXTREMWERTE

Die Enden der Tabelle

Dünnste Sohle

Freet Feldom mit 3,0 mm. Maximale Rückmeldung auf weichem Boden, auf Schotter über eine Stunde unangenehm.

Dickste ohne Dämpfung

Vibram FiveFingers V-Run mit 8,5 mm. Der brauchbare Bereich für Asphalt und für den Einstieg, bei unveränderter Nullsprengung.

Breiteste Zehenbox

Freet Feldom mit 103 mm. Gegenüber dem schmalsten Modell (94 mm) sind das 9 mm Unterschied.

Leichtestes Modell

Vibram FiveFingers V-Run mit 158 g. Über einen Marathon macht jedes eingesparte Gramm rund 30.000 Hebungen aus.

AUSWAHL

Die Reihenfolge, in der die Spalten zu lesen sind

Die Tabelle beantwortet keine Frage von selbst. Sie wird brauchbar, wenn man die Spalten in der Reihenfolge ihrer Härte liest, und die Reihenfolge ist bei jedem Fuß dieselbe.

Erstens die Zehenbox. Das ist der einzige Wert, der sich durch keine andere Eigenschaft ausgleichen lässt. Der Rechner unter Ballenbreite nimmt eine gemessene Breite und sortiert die Tabelle danach. Wer eine Ballenbreite von 100 mm hat, kann aus dieser Tabelle vier Modelle streichen, bevor er über Sohlen nachdenkt. Die eigene Breite wird im Stehen auf Papier gemessen, nicht im Sitzen: der Unterschied beträgt bis zu acht Millimeter.

Zweitens der Untergrund. Er bestimmt die Sohlendicke, und zwar gegenläufig zur Intuition. Harter, gleichmäßiger Asphalt verlangt mehr Material als weicher Waldboden, weil die Belastung immer an derselben Stelle ankommt. Für die Straße sind 5,5 mm bis 8,5 mm der brauchbare Bereich, für trockenen Waldboden 3,0 mm bis 4,0 mm.

Drittens die eigene Erfahrung. Wer aus gedämpften Schuhen kommt, nimmt aus dem verbleibenden Feld nicht das dünnste Modell. Die Fußsohle setzt in den ersten Wochen die Grenze, und ein Modell mit 6,5 mm nimmt ihr diese Rolle ab, ohne dass die Nullsprengung aufgegeben wird.

Zuletzt das Gewicht. Es ist der Wert, den Hersteller am liebsten nach vorne stellen, weil er sich gut vergleichen lässt, und der einzige der fünf, der sich durch etwas anderes ausgleichen lässt. Ein 60 g schwererer Schuh mit passender Box ist besser als ein leichter, der drückt.

Gewicht aller neun Modelle in Herrengröße 43
Balkendiagramm: gewicht aller neun Modelle in Herrengröße 43, 9 Balken im gleichen Maßstab
  • Balken 1 von oben: Vibram FiveFingers V-Run, 158 g
  • Balken 2 von oben: Merrell Vapor Glove 6, 173 g
  • Balken 3 von oben: Xero Shoes HFS II, 184 g
  • Balken 4 von oben: Vivobarefoot Primus Lite, 185 g
  • Balken 5 von oben: Freet Feldom, 210 g
  • Balken 6 von oben: Merrell Trail Glove 7, 225 g
  • Balken 7 von oben: Altra Escalante, 241 g
  • Balken 8 von oben: Vivobarefoot Primus Trail II FG, 245 g
  • Balken 9 von oben: Xero Shoes Scrambler Low, 278 g
  • Die Skala beginnt bei 0 g, ein kurzer Teilstrich ist 10 g

GRUPPEN

Die drei Gruppen und was sie trennt

Straße (4)

Flaches oder kaum ausgeprägtes Profil, Sohlen zwischen 4,0 mm und 8,5 mm, Gewichte von 158 bis 185 g. Auf trockenem Waldboden ebenfalls brauchbar, auf nassem Lehm nicht.

Trail (4)

Profil zwischen 2,5 mm und 4,0 mm Stollenhöhe, dazu Zehenschutz und robusteres Obermaterial. Das kostet 52 bis 93 g gegenüber den Straßenmodellen.

Gedämpft mit 0 mm (1)

Nullsprengung bei 24,0 mm Sohle. Kein Barfußschuh, sondern eine eigene Kategorie: flache Geometrie mit voller Dämpfung, sinnvoll für lange Distanzen auf Asphalt.

HERSTELLERANGABEN

Warum die Angaben der Hersteller nicht vergleichbar sind

Drei Praktiken machen einen direkten Vergleich unmöglich, und alle drei sind für sich genommen nicht falsch. Die erste betrifft die Einlegesohle. Manche Hersteller nennen die Sohlendicke einschließlich der herausnehmbaren Einlage, andere ohne. Das sind zwei bis drei Millimeter, und bei einer Gesamtdicke von vier Millimetern ist das mehr als die Hälfte.

Die zweite betrifft die Zehenbox. Wird das Außenmaß der Sohle angegeben statt der Innenweite, fällt der Wert um fünf bis acht Millimeter zu groß aus. Ein Schuh, der mit 105 mm beworben wird, kann innen 98 mm haben, und für einen breiten Fuß ist das der Unterschied zwischen passend und drückend.

Die dritte betrifft die Referenzgröße. Gewichtsangaben beziehen sich je nach Hersteller auf Größe 42, 43 oder eine Damengröße 38, und pro Größe kommen etwa acht bis zwölf Gramm dazu. Wo keine Referenzgröße genannt wird, ist die Zahl für einen Vergleich unbrauchbar.

Aus diesen drei Punkten folgt die Kennzeichnung in der Tabelle. Wo ein Wert aus einer Herstellerangabe stammt, steht das im Datensatz, weil sich der Messpunkt nicht immer rekonstruieren lässt. Das ist keine Schwäche der Übersicht, sondern die ehrliche Auskunft darüber, wie belastbar eine einzelne Zahl ist.

Praktisch heißt das für den Kauf: die Sprengung ist die verlässlichste Angabe, weil sie sich kaum unterschiedlich definieren lässt. Die Sohlendicke ist mit dem Vorbehalt der Einlegesohle zu lesen. Die Zehenbox ist die unzuverlässigste und gleichzeitig die wichtigste, weshalb sie im Zweifel im Laden nachgemessen wird und nicht im Datenblatt.

Eine Ausnahme sind Modelle, die über Jahre unverändert gebaut werden. Dort stimmen die Angaben zwischen Produktionsjahren gut überein. Bei Serien mit jährlichem Wechsel weichen dieselben Modellnamen um bis zu einen Millimeter voneinander ab, und ein Millimeter ist bei einer Sohle von vier ein Viertel des Werts.

LEBENSDAUER

Wie lange die Werte in der Tabelle gelten

Jede Zahl in der Tabelle beschreibt den Neuzustand. Eine Sohle wird dünner, und sie wird es ungleichmäßig: zuerst unter dem Ballen und an der Außenkante des Vorfußes, dort wo abgedrückt wird. Aus 6,5 mm werden an dieser Stelle nach einigen Hundert Kilometern 4 mm, während die Ferse noch nahe am Ausgangswert liegt. Damit bekommt der Schuh eine leicht negative Sprengung, die in keinem Datenblatt steht.

Der Kontrollblick dauert Sekunden: beide Schuhe von hinten auf eine gerade Fläche stellen. Kippt einer sichtbar nach innen oder außen, ist die Sohle asymmetrisch abgetragen und die Zeile in der Tabelle gilt für dieses Paar nicht mehr. Als grober Rahmen halten dünne Sohlen 400 bis 700 Kilometer, dickere 700 bis 1000, und höheres Körpergewicht verschiebt beide Werte nach unten.

Das Obermaterial altert parallel und wird häufiger übersehen, weil es keine Zahl in der Tabelle hat. Eine ausgeweitete Zehenbox lässt den Fuß nach vorne wandern, besonders bergab, und drückt dann an der Spitze. Das fühlt sich an wie eine falsche Größe, ist aber Materialermüdung. Wer die Kosten vergleichen will, teilt deshalb den Preis durch die erwartete Laufleistung und nicht durch die Anzahl der Paare.

Fehlkäufe

Die vier Fehler, die sich in dieser Tabelle wiederholen

Nach der Sprengung allein auswählen. Alle neun Zeilen zeigen 0,0 mm, und trotzdem gehört eine davon in eine andere Kategorie. Ein Modell mit Nullsprengung und 24 mm Sohle ist ein gedämpfter Laufschuh mit flacher Geometrie. Wer nur auf die erste Zahlenspalte schaut, landet regelmäßig dort und wundert sich über das fehlende Bodengefühl.

Das dünnste Modell für den Einstieg nehmen. 3,0 mm liefern die meiste Rückmeldung und setzen gleichzeitig eine Fußsohle voraus, die daran gewöhnt ist. Für die ersten Wochen auf Asphalt sind 6,5 mm die deutlich ruhigere Wahl, ohne dass an der Sprengung etwas geändert wird.

Die Zehenbox nach Gefühl schätzen. Zwischen 94 mm und 103 mm liegen neun Millimeter, und kein Wert in einer anderen Spalte gleicht das aus. Die eigene Ballenbreite zu messen dauert zwei Minuten und streicht aus der Tabelle in derselben Zeit mehrere Zeilen.

Das Gewicht zuerst lesen. Es ist die Spalte, die sich am leichtesten vergleichen lässt, und die einzige, deren Nachteil sich durch etwas anderes aufwiegen lässt. Zwischen dem leichtesten und dem schwersten Modell liegen 120 g; zwischen einer passenden und einer zu schmalen Box liegt, ob der Schuh nach zwei Stunden noch tragbar ist.

DAMEN_HERREN

Damen- und Herrenlinie derselben Serie

Die Werte oben beziehen sich auf die Basisvariante. Dieselbe Serie in der Herrenlinie fällt an der Ballenlinie zwei bis drei Millimeter breiter aus und wiegt acht bis siebzehn Gramm mehr, weil die Auslegung von einem höheren Durchschnittsgewicht ausgeht. Sprengung und Sohlendicke bleiben in beiden Linien gleich.

Praktisch heißt das für breite Füße, dass die Herrenlinie auch dann die richtige sein kann, wenn die Länge in der Damenlinie passen würde. Die Innenweite wächst mit der Länge kaum mit, eine Nummer größer löst ein Breitenproblem also nicht. Umgekehrt gilt dasselbe: ein schmaler Fuß in einer weiten Box rutscht bergab nach vorne und drückt an der Spitze.

Häufige Fragen

Warum haben alle Modelle 0 mm Sprengung?

Weil das die Bedingung für die Kategorie ist. Ab jedem Wert darüber handelt es sich um einen Minimalschuh. Die Sprengung trennt die Kategorie von anderen, unterscheidet die Modelle untereinander aber nicht.

Warum steht bei einem Modell keine Zehenbox in mm?

Bei Einzelkammern für jede Zehe gibt es keine durchgehende Innenweite an der Ballenlinie, die sich mit den anderen vergleichen ließe. Ein Zahlenwert wäre dort erfunden.

Stammen die Werte aus eigenen Messungen?

Die Quelle steht pro Modell im Datensatz. Wo eine Herstellerangabe übernommen wurde, ist sie als solche gekennzeichnet, weil sich Messpunkte zwischen Herstellern unterscheiden.

Gelten die Werte auch für Damenmodelle?

Die Sprengung und die Sohlendicke ja. Die Zehenbox fällt in der Damenlinie derselben Serie zwei bis drei Millimeter schmaler aus, das Gewicht acht bis siebzehn Gramm niedriger.