Zum Inhalt springen

ARCHIV_DE

Barfußlaufen in Deutschland: Chronik und Ergebnisse

Barfußlaufen als Wettkampfform ist in Deutschland jünger, als die Diskussion über Barfußschuhe vermuten lässt. Die ersten eigenständigen Veranstaltungen fallen in die Jahre um 2010, und die Szene blieb über lange Zeit klein und regional.

CHRONIK

Frühe Veranstaltungen

2010

Am 5. Juni 2010 wird ein erster Barfuß-Lauf als eigenständige Veranstaltung in Deutschland ausgetragen, angekündigt zugleich als erster Feelmax-Lauf. Der Termin markiert den Beginn der Wettkampfform hierzulande.

2012

In Großolbersdorf im Erzgebirge findet die dritte Auflage eines Barfußlaufs statt. Damit gehört die Veranstaltung zu den ersten im deutschsprachigen Raum, die regelmäßig wiederkehren statt einmalig zu bleiben.

2015

Der Trans-Miriquidi verbindet Barfuß- und Minimallaufen mit einer Streckenveranstaltung im Erzgebirge. Aus den Vereinsläufen dieser Jahre liegen Ergebnislisten vor.

ERGEBNISSE

Archivierte Ergebnislisten

Die frühen Termine auf der Zeitachse
Zeitachse mit drei Markierungen für 2010, 2012 und 2015
  • Erste Markierung: 2010, erster eigenständiger Lauf
  • Zweite: 2012, dritte Auflage in Großolbersdorf
  • Dritte: 2015, Trans-Miriquidi
  • Die Abstände entsprechen den Jahren

Die folgende Liste ist als PDF im Original erhalten und wird unverändert bereitgestellt.

Zwei ältere Listen liegen nicht mehr vor. Sie werden hier mit Jahr und Veranstaltung genannt, damit ein Verweis darauf erkennbar ankommt statt in einer Chronik zu enden, in der das gesuchte Jahr nicht vorkommt:

  • Ergebnisse 10. Vereinslauf und 5. Barfuß-Lauf, 2014 – die Datei lag unter /wp-content/uploads/2014/06/.
  • Ergebnisliste KiTa-Cup 2011 – die Datei lag unter /wp-content/uploads/2011/06/.

Beide Adressen führen auf diese Seite. Die Platzierungen werden nicht ergänzt: rekonstruierte Platzierungen wären keine Ergebnisse, sondern Schätzungen.

EINORDNUNG

Warum die Szene klein blieb

Ein Barfußlauf ist organisatorisch aufwendiger als ein gewöhnlicher Volkslauf, und die Gründe liegen fast alle im Untergrund. Eine Strecke muss vorher abgegangen und von Scherben, Splitt und scharfen Kanten befreit werden, und zwar am Tag der Veranstaltung, nicht in der Woche davor. Asphaltabschnitte im Hochsommer sind ein eigenes Problem, weil die Oberflächentemperatur deutlich über der Lufttemperatur liegt.

Dazu kommt die Streckenwahl. Weicher Waldboden und kurz gemähte Wiese sind ideal, aber selten am Stück verfügbar, und Schotterabschnitte, die für beschuhte Läufer unauffällig sind, entscheiden hier über die Teilnehmerzahl. Viele Veranstaltungen sind deshalb bewusst kurz gehalten.

Der zweite Grund ist die Vorbereitung der Teilnehmer. Wer regelmäßig in Schuhen läuft, kann nicht ohne Weiteres eine Strecke barfuß absolvieren: die Fußsohle braucht Wochen, um die punktuelle Belastung zu vertragen, und die Wade arbeitet über einen größeren Bewegungsbereich. Eine Veranstaltung, die Anmeldungen ohne Vorlauf annimmt, produziert Abbrüche.

Genau das erklärt auch, warum sich die Szene stärker über regionale Gruppen und Treffs organisiert hat als über große Läufe. Wo regelmäßig gemeinsam gelaufen wird, entsteht die nötige Gewöhnung nebenbei, und ein Lauf ist dann der Abschluss und nicht der Einstieg.

TEILNAHME

Was eine Teilnahme voraussetzt

Die Distanzen liegen bei den meisten Veranstaltungen zwischen zwei und zehn Kilometern, und das ist kein Zufall: es ist der Bereich, den eine an Schuhe gewöhnte Fußsohle nach einigen Wochen Vorbereitung verträgt. Wer die Strecke ohne diese Vorbereitung angeht, spürt es nicht während des Laufs, sondern am Tag danach an der Fußsohle.

Sinnvoll sind sechs bis acht Wochen mit regelmäßigen kurzen Einheiten barfuß auf Rasen oder weichem Waldboden, beginnend bei etwa einem Kilometer. Die Steigerung folgt derselben Regel wie beim Umstieg auf flache Schuhe: höchstens zehn Prozent pro Woche, mit einer Entlastungswoche nach jeweils drei Steigerungswochen. Der Unterschied zum Laufen in Barfußschuhen liegt vor allem in der Haut, nicht in der Muskulatur.

Eine Einschränkung gilt unabhängig von der Vorbereitung: bei Diabetes mit eingeschränktem Empfinden an den Füßen oder bei einer Neuropathie ist die Teilnahme riskant, weil kleine Verletzungen unbemerkt bleiben und schlecht heilen. Das ist keine Frage der Fitness, sondern der Wahrnehmung.

UNTERGRUND

Was eine barfußtaugliche Strecke ausmacht

Kurz gemähte Wiese ist der beste Untergrund, den eine Veranstaltung anbieten kann: weich, gleichmäßig, und Fremdkörper sind sichtbar. Der Nachteil ist die Nässe. Nasses Gras kühlt den Fuß schnell aus, und ein ausgekühlter Fuß verliert die Feinmotorik, die auf unebenem Boden schützt.

Waldboden mit Nadelteppich ist der zweite gute Fall. Er federt, verzeiht Fehltritte und ist im Sommer angenehm temperiert. Dagegen sprechen einzelne Wurzeln und versteckte Steine, die eine Streckenkontrolle nicht vollständig entfernen kann. Deshalb sind Waldabschnitte in der Regel kürzer als Wiesenabschnitte.

Asphalt ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber temperaturabhängig. Die Oberflächentemperatur liegt an einem sonnigen Sommertag deutlich über der Lufttemperatur, und ab etwa vierzig Grad wird der Belag für unbeschuhte Füße zum Problem. Veranstaltungen im Hochsommer verlegen solche Abschnitte deshalb in die frühen Stunden oder lassen sie ganz weg.

Schotter und Splitt sind der Ausschlussgrund. Was für beschuhte Läufer ein unauffälliger Abschnitt ist, entscheidet hier über die Zahl der Finisher. Eine Strecke, die zweihundert Meter Schotter enthält, ist keine Barfußstrecke mit einer Einschränkung, sondern eine andere Veranstaltung.

Drei Körnungen, wie sie auf einer Strecke vorkommen
Drei kleine Häufchen Untergrundmaterial liegen in einer Reihe auf weißem Papier, von oben aufgenommen: links feiner Sand, in der Mitte runder Kies von etwa fünf Millimetern, rechts kantiger Schotter von etwa zwanzig Millimetern; darunter liegt ein hölzerner Zollstock

Barfuß entscheidet nicht die Härte, sondern die Kantigkeit: runder Kies trägt, kantiger Schotter schneidet.

ORGANISATION

Der Aufwand hinter einem Barfußlauf

Die Streckenkontrolle ist die Arbeit, die den Unterschied macht, und sie lässt sich nicht vorziehen. Scherben, Splitt und Kronkorken landen über Nacht auf einem Weg, der am Vortag sauber war, weshalb der Kontrollgang am Veranstaltungstag stattfindet und nicht in der Woche davor. Bei einer Strecke von fünf Kilometern bindet das mehrere Personen über Stunden.

Der zweite Posten ist die Versorgung danach. Kleine Schnitte und Blasen sind bei einer barfüßigen Veranstaltung häufiger als bei einer beschuhten, und eine Sanitätsstation, die darauf eingerichtet ist, gehört dazu. Das ist kein Zeichen für ein hohes Risiko, sondern eine andere Verteilung: statt weniger schwerer Verletzungen gibt es mehr harmlose.

Dazu kommt die Kommunikation vorher. Anmeldungen ohne Vorbereitungshinweis führen zu Abbrüchen, und Abbrüche prägen den Ruf einer Veranstaltung stärker als die Zeiten an der Spitze. Etablierte Läufe schreiben die empfohlene Vorbereitung deshalb in die Ausschreibung, oft mit einem Hinweis auf sechs bis acht Wochen Gewöhnung.

JAHRESZEIT

Warum die Saison kurz ist

Barfußveranstaltungen finden fast ausschließlich zwischen Mai und September statt, und der Grund ist nicht die Bequemlichkeit. Unter etwa zehn Grad Bodentemperatur kühlt der Fuß über eine längere Strecke so weit aus, dass die Feinmotorik nachlässt, und genau sie schützt auf unebenem Boden vor Fehltritten. Das ist ein Sicherheitsargument, kein Komfortargument.

Nach oben setzt der Belag die Grenze. An einem sonnigen Julitag liegt die Oberflächentemperatur von Asphalt deutlich über der Lufttemperatur, und ab etwa vierzig Grad wird ein längerer Abschnitt unbeschuht nicht mehr zumutbar. Veranstaltungen mit Asphaltanteil starten deshalb früh am Morgen oder führen die Strecke bewusst über Wiese und Waldboden.

Aus beidem folgt ein enges Fenster, das sich mit dem Kalender vieler anderer Laufveranstaltungen überschneidet. Das ist einer der Gründe, warum die Szene über Gruppen und regelmäßige Treffs stabiler ist als über einzelne Termine im Jahr.

HEUTE

Wie sich die Szene seitdem verändert hat

Der auffälligste Unterschied zu den frühen Jahren ist, dass das Thema heute überwiegend über Schuhe läuft und nicht über Veranstaltungen. Wer 2010 barfuß lief, tat das meist tatsächlich ohne Schuhe; heute bezeichnet dasselbe Wort in den meisten Gesprächen ein Modell mit Nullsprengung und dünner Sohle.

Das hat die Einstiegshürde gesenkt und die Wettkampfform nicht gestärkt. Ein Lauf in Barfußschuhen ist organisatorisch ein gewöhnlicher Volkslauf und braucht keine gesäuberte Strecke, weshalb er auch nicht als eigene Veranstaltung ausgeschrieben wird. Die Zahl der reinen Barfußläufe ist dementsprechend klein geblieben, während die Zahl der Menschen in flachen Schuhen deutlich gewachsen ist.

Für die Chronik heißt das, dass die frühen Termine besser dokumentiert sind als die späteren. Eine Veranstaltung mit zwölf Teilnehmern wird angekündigt und besprochen; ein einzelner Läufer in Minimalschuhen unter fünfhundert anderen taucht in keiner Liste auf.

QUELLENLAGE

Wie belastbar die Angaben sind

Die frühen Termine sind über Ankündigungen und Berichte belegt, nicht über eine zentrale Statistik. Eine solche Statistik existiert für diese Veranstaltungsform nicht, weil sie nie über einen Verband organisiert war. Die Chronik oben nennt deshalb Jahre und Orte und verzichtet auf Teilnehmerzahlen, wo sie nicht aus einer Ergebnisliste hervorgehen.

BEGRIFFE

Barfußlauf, Barfußschuh, Minimallauf

Die drei Begriffe werden heute oft synonym benutzt und bezeichnen in dieser Chronik verschiedene Dinge. Ein Barfußlauf ist eine Veranstaltung, bei der ohne Schuhe gelaufen wird; das ist die Form, um die es bei den Terminen ab 2010 geht, und sie stellt die genannten Anforderungen an die Strecke.

Ein Barfußschuh ist ein Produkt mit 0 mm Sprengung und dünner Sohle. Wer damit an einem gewöhnlichen Volkslauf teilnimmt, läuft keinen Barfußlauf, sondern einen Volkslauf in anderem Schuhwerk. Der Minimallauf liegt dazwischen und wird bei einzelnen Veranstaltungen als eigene Wertung geführt, meist mit einer Obergrenze für die Sohlendicke.

Die Unterscheidung ist für die Chronik wichtig, weil sie erklärt, warum die Zahl der Veranstaltungen klein blieb, während die Zahl der Menschen in flachen Schuhen deutlich wuchs. Beide Entwicklungen laufen seit etwa 2015 auseinander, und nur die erste hinterlässt Ergebnislisten.

WEITERGABE

Was von einer Veranstaltung übrig bleibt

Bei kleinen Läufen entscheidet der Zufall darüber, was dokumentiert ist. Eine Ergebnisliste, die als PDF auf einer Vereinsseite lag, überlebt so lange, wie die Seite bezahlt wird. Fotos liegen auf dem Rechner des Organisators. Die Ausschreibung verschwindet mit dem Termin, weil sie ihren Zweck erfüllt hat.

Deshalb enthält diese Chronik Jahre und Orte, aber selten Namen und Zeiten. Was sich belegen lässt, steht hier; was nur aus der Erinnerung stammt, nicht. Das ist die unbefriedigende, aber ehrliche Fassung, und sie lässt sich ergänzen: eine gescannte Liste oder eine alte Ausschreibung ist mehr wert als eine plausible Rekonstruktion.

Ausrüstung

Was man zu einem Barfußlauf mitbringt

Die Frage kommt regelmäßig und hat eine kurze Antwort: wenig, und das ist der Reiz. Wichtiger als Ausrüstung sind ein Paar Schuhe für den Weg zum Start und zurück, weil Parkplätze und Zuwege selten zur Strecke gehören, und ein Handtuch, weil nasses Gras die Fußsohle vor dem Start aufweicht. Wer empfindliche Zehennägel hat, kürzt sie vorher; bergab stoßen sie sonst an nichts, sondern werden von oben belastet.

Was regelmäßig fehlt, ist Sonnenschutz für die Fußrücken. Sie bekommen bei einem Sommerlauf über eine Stunde die volle Strahlung ab und sind der Körperteil, an den beim Eincremen praktisch niemand denkt. Ein Sonnenbrand auf dem Fußrücken macht die nächsten Einheiten unangenehmer als jede Blase.

Häufige Fragen

Wann fand der erste Barfußlauf in Deutschland statt?

Als eigenständige Veranstaltung am 5. Juni 2010, zugleich als erster Feelmax-Lauf angekündigt.

Wie lang sind die Strecken üblicherweise?

Zwischen zwei und zehn Kilometern. Das entspricht dem, was eine vorbereitete, aber an Schuhe gewöhnte Fußsohle verträgt.

Wie lange sollte man sich vorbereiten?

Sechs bis acht Wochen mit kurzen Einheiten auf Rasen oder Waldboden, mit einer Steigerung von höchstens zehn Prozent pro Woche.

Gibt es ältere Ergebnislisten?

Erhalten ist die Liste des Vereinslaufs 2015. Die Ergebnisse des 10. Vereinslaufs von 2014 und die Ergebnisliste des KiTa-Cups 2011 liegen nicht mehr vor; ihre früheren Adressen führen auf diese Seite.

Die Grundlage dieser Übersicht sind die Ergebnislisten der Veranstaltungen selbst, als PDF, unter den Adressen, unter denen sie seit ihrer Veröffentlichung liegen. Wo eine Liste fehlt, steht hier keine Zahl – rekonstruierte Platzierungen wären keine Ergebnisse, sondern Schätzungen.