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28. September 2019 · Beste Schuhe ·

Welche Barfußschuhe sind die besten? Test und Vergleich in mm

Welche Barfußschuhe sind die besten? Die Frage lässt sich beantworten, sobald man aufhört, über Marken zu reden, und anfängt, in Millimetern zu messen. Der beste Barfußschuh ist dann keine Marke, sondern eine Kombination aus drei Zahlen. Zwei Werte entscheiden, ob ein Schuh ein Barfußschuh ist: die Sprengung, also der Höhenunterschied zwischen Ferse und Ballen, und die Sohlendicke unter dem Ballen. Alles andere ist Ausstattung.

Querschnitt: 0 mm Sprengung, 6,5 mm Sohle
Querschnitt einer Sohle mit 0 mm Sprengung und 6,5 mm Dicke
  • Links die Ferse, rechts der Ballen
  • Beide Maßlinien gleich lang: das sind 0 mm Sprengung
  • Sohlendicke 6,5 mm, gemessen unter dem Ballen
  • Maßstab 1:1 bei 6 px je Millimeter

Vorweg die unbequeme Hälfte der Antwort: der beste Barfußschuh existiert als einzelnes Modell nicht. Welche Barfußschuhe sind die besten, hängt an drei Größen, die von Fuß zu Fuß verschieden ausfallen – Ballenbreite, Untergrund und Vorerfahrung mit flachen Sohlen. Eine Empfehlung, die diese drei nicht kennt, ist geraten.

Was sich dagegen sagen lässt: welche Barfußschuhe sind die besten für einen bestimmten Fuß auf einem bestimmten Untergrund. Genau so ist diese Seite aufgebaut – erst die Messwerte, dann die Empfehlung, die daraus folgt.

Was einen Barfußschuh technisch ausmacht

Ein echter Barfußschuh hat eine Sprengung von 0 mm. Die Ferse liegt genauso hoch wie der Ballen, das Fußgewölbe arbeitet ohne Stütze, und die Wadenmuskulatur wird über den vollen Bewegungsbereich belastet. Sobald ein Hersteller 4 mm oder 6 mm angibt, handelt es sich um einen Minimalschuh, nicht um einen Barfußschuh. Der Unterschied ist keine Wortklauberei: 6 mm Sprengung verändern den Aufsetzwinkel des Fußes messbar und nehmen der Achillessehne einen Teil der Dehnung ab, um die es beim Barfußlaufen gerade geht.

Die Sohlendicke bestimmt, wie viel vom Untergrund ankommt. Unter 4 mm spürt man Kiesel und Wurzeln deutlich, zwischen 5 mm und 8 mm bleibt Rückmeldung bei brauchbarem Schutz, ab 10 mm verschwindet die Bodenwahrnehmung zunehmend. Wer auf Asphalt läuft, kommt mit 6 mm bis 8 mm meist besser zurecht als mit 3 mm, ohne dabei auf die Nullsprengung zu verzichten.

Sechs verbreitete Modelle, gemessen in Millimetern
Sprengung, Sohlendicke, Zehenbox-Breite, Gewicht und Preis
ModellSprengungSohlendickeZehenboxGewichtEinsatz
Vivobarefoot Primus Lite0 mm4,0 mm98 mm185 gStraße
Merrell Vapor Glove 60 mm6,5 mm94 mm173 gStraße
Xero Shoes HFS II0 mm5,5 mm101 mm184 gStraße
Vibram FiveFingers V-Run0 mm8,5 mm158 gStraße
Freet Feldom0 mm3,0 mm103 mm210 gTrail
Altra Escalante0 mm24,0 mm99 mm241 gStraße, gedämpft

Tabelle seitlich verschiebbar

Die letzte Zeile zeigt, warum die Nullsprengung allein nichts aussagt. Der Altra hat ebenfalls 0 mm, aber 24 mm Sohle unter dem Ballen. Er ist ein gedämpfter Laufschuh mit flacher Geometrie, kein Barfußschuh. Wer nur auf die Sprengung schaut, kauft an dieser Stelle regelmäßig daneben.

Die Laufsohle eines Barfußschuhs, senkrecht von oben aufgenommen
Aufnahme von oben: die dünne Laufsohle eines Barfußschuhs liegt flach auf weißem Papier; flaches Sohlenprofil, breiter runder Vorfuß, gleiche Dicke von der Ferse bis zur Spitze

Welcher Schuh zu welchem Untergrund passt

Auf Asphalt und Beton arbeitet der Fuß gegen eine harte, völlig gleichmäßige Fläche. Hier zahlt sich eine etwas dickere Sohle aus, weil die Belastung immer an derselben Stelle ankommt. Auf Waldboden ist es umgekehrt: der Untergrund federt selbst, und eine dünne Sohle liefert die Rückmeldung, die den Fuß vor Fehltritten schützt. Für Schotter und groben Trail sind 3 mm zu wenig, sobald die Strecke länger als eine Stunde wird.

Die Zehenbox-Breite entscheidet über die Passform mehr als die Schuhgröße. Ein Fuß mit 100 mm Ballenbreite passt nicht in eine 94 mm breite Box, auch nicht eine Nummer größer, weil die Box mit der Länge kaum mitwächst. Die Breite lässt sich zu Hause messen: auf ein Blatt Papier stellen, Umriss nachziehen, an der breitesten Stelle abmessen.

Der Umstieg ist der eigentliche Knackpunkt

Die häufigste Verletzung beim Wechsel auf Barfußschuhe ist eine Ermüdungsfraktur im Mittelfuß, und sie entsteht fast immer aus derselben Ursache: zu viele Kilometer zu früh. Die Wadenmuskulatur passt sich innerhalb weniger Wochen an, der Knochen braucht Monate. Wer aus gedämpften Schuhen mit 10 mm Sprengung kommt und in der ersten Woche zehn Kilometer barfuß läuft, überspringt genau diesen Unterschied.

Sinnvoll ist ein Aufbau über zwölf Wochen, der bei einem Kilometer beginnt und die Wochenmenge um höchstens zehn Prozent steigert, mit einer Entlastungswoche nach jeweils drei Steigerungswochen. Wer dabei einen dumpfen Druckschmerz auf dem Mittelfußrücken bemerkt, unterbricht besser sofort.

Worauf beim Kauf eines Barfußschuhs zu achten ist

Grundsätzlich empfiehlt es sich, sich vor dem Kauf mit den Maßen zu befassen statt mit den Namen. Im Internet gibt es dazu gute Ratgeber, so ist zum Beispiel hier ein ausführlicher Kauf-Ratgeber über Barfußschuhe zu finden, bei dem auch viele Modelle getestet wurden. Die drei Zahlen, die dabei zählen, stehen weiter oben in der Tabelle: Sprengung, Sohlendicke und Zehenbox, jeweils in Millimetern.

Die Zehenbox messen, statt sie zu schätzen

Wer den Wert schon hat, bekommt die Vorauswahl im Ballenbreiten-Rechner in einem Schritt: eintragen, und die Tabelle sortiert sich nach der eigenen Breite.

Die Breite an der Ballenlinie entscheidet über die Passform stärker als die Schuhgröße, und sie lässt sich in zwei Minuten zu Hause bestimmen. Ein Blatt Papier auf einen harten Boden legen, mit dem vollen Gewicht darauf stellen, den Umriss mit senkrecht gehaltenem Stift nachziehen. Im Sitzen gemessen fällt der Fuß um bis zu acht Millimeter schmaler und einen halben Zentimeter kürzer aus, weshalb sitzende Messungen regelmäßig zu engen Schuhen führen.

Anschließend die breiteste Stelle des Umrisses messen, quer über den Ballen. Dieser Wert wird mit der Innenweite des Schuhs verglichen, nicht mit der Sohlenbreite von außen; die Sohle ist bei fast allen Modellen breiter als der Raum darin. Wer eine Ballenbreite von 100 mm hat, passt nicht in eine Box mit 94 mm Innenweite, und eine Nummer größer löst das nicht, weil die Box beim Längenwachstum kaum breiter wird. Zwei Millimeter Luft auf jeder Seite sind ein guter Zielwert, weil der Fuß beim Abdruck breiter wird.

Bei der Länge gilt dasselbe Prinzip: im Stehen etwa eine Daumenbreite vor der längsten Zehe, und das ist nicht immer die große. Bei etwa jedem fünften Fuß ist die zweite Zehe die längste, und wer nach der großen Zehe kauft, drückt dann genau daneben.

Was die Sohle über die Zeit verliert

Wie viele Kilometer bis dahin vergehen und was das Körpergewicht daran verschiebt, rechnet der Verschleiß-Rechner durch.

Eine Sohle mit 4 mm hat wenig Material zu verlieren, bevor sich das Laufgefühl ändert. In der Praxis trägt sich der Bereich unter dem Ballen und an der Vorfuß-Außenkante zuerst ab, weil dort abgedrückt wird. Aus 4 mm werden dort nach einigen Hundert Kilometern 2 mm, während die Ferse noch nahe am Neuzustand ist. Der Schuh bekommt damit eine leicht negative Sprengung, die niemand gekauft hat.

Ein Kontrollblick von hinten auf beide Schuhe, auf eine gerade Fläche gestellt, zeigt das schnell: kippt einer sichtbar nach innen oder außen, ist die Sohle asymmetrisch abgetragen. Bei minimalen Modellen liegt die brauchbare Lebensdauer grob zwischen 400 und 700 Kilometern, bei dickeren zwischen 700 und 1000. Das Obermaterial altert parallel: eine ausgeweitete Zehenbox lässt den Fuß nach vorne wandern und drückt dann an der Spitze, was sich wie eine falsche Größe anfühlt, aber Materialermüdung ist.

Test und Vergleich: vier Kaufirrtümer, die sich wiederholen

Nullsprengung allein reicht als Kriterium. Sie tut es nicht, wie die letzte Tabellenzeile zeigt: 0 mm Sprengung bei 24 mm Sohle ist ein gedämpfter Laufschuh mit flacher Geometrie. Wer nur auf die Sprengung schaut, landet regelmäßig in dieser Kategorie und wundert sich über das fehlende Bodengefühl.

Dünner ist besser. Nur auf weichem Untergrund. Auf Asphalt kommt die Belastung bei jedem Schritt an derselben Stelle an, und 3 mm werden über eine Stunde unangenehm, ohne dass der Fuß dadurch etwas lernt. Für die Straße sind 6 mm bis 8 mm die vernünftigere Wahl, bei unveränderter Nullsprengung.

Die gewohnte Größe passt. Meistens nicht. Die Innenlänge fällt knapper aus, weil die Sohle sich nicht vorwölbt und die Zehen Platz brauchen. Anproben gehören ins Stehen, mit der eigenen Socke, am Ende des Tages, wenn der Fuß am größten ist.

Zehenschuhe sind der konsequenteste Einstieg. Sie geben die meiste Rückmeldung und verlangen die kräftigste Fußmuskulatur. Als erster Schritt aus gedämpften Schuhen sind sie die schwierigste Variante, nicht die logischste, und bei Kälte oder Nässe zusätzlich unangenehm.

Preis sagt wenig, Haltbarkeit sagt mehr

Die Preise in dieser Kategorie liegen grob zwischen 90 und 180 Euro, und die Spanne erklärt sich weniger durch die Sohle als durch das Obermaterial und die Verarbeitung der Naht am Zehenbereich. Ein Modell für 100 Euro, das nach 400 Kilometern ausgeweitet ist, kostet pro Kilometer mehr als eines für 150 Euro, das 800 Kilometer die Form hält. Wer die Rechnung aufmachen will, teilt den Preis durch die erwartete Laufleistung, nicht durch die Anzahl der Paare.

Ein zweiter Punkt betrifft die Reparierbarkeit. Einige Hersteller bieten Neubesohlung an, was bei einer dünnen Sohle mehr Sinn ergibt als bei einer geschäumten Mittelsohle, weil dort weniger Struktur verklebt ist. Wo das angeboten wird, verschiebt es die Kilometerrechnung deutlich.

Empfehlung: wofür welches Modell aus der Tabelle passt

Für die Straße und den Einstieg sind die Modelle mit 5,5 mm bis 6,5 mm der ruhigste Weg: genug Rückmeldung, damit sich das Laufen verändert, genug Material, damit die Fußsohle nicht in der ersten Woche protestiert. Wer schon länger flach läuft und Waldboden bevorzugt, kommt mit 3 mm bis 4 mm weiter, weil dort der Untergrund selbst federt.

Die breiteste Zehenbox in der Tabelle hat mit 103 mm das Trail-Modell, was für breite Füße auch auf der Straße das Argument sein kann. Zehenschuhe liefern die maximale Rückmeldung, lassen sich aber nicht mit normalen Socken tragen und setzen eine eingelaufene Fußmuskulatur voraus. Und das gedämpfte Modell mit Nullsprengung ist kein Fehlkauf, sondern eine eigene Kategorie: sinnvoll für lange Distanzen auf Asphalt, wenn die flache Geometrie erhalten bleiben soll.

Welche Barfußschuhe sind die besten: wie sich die Auswahl eingrenzt

Wer vor der Tabelle sitzt und sich nicht entscheiden kann, kommt mit drei Fragen in der richtigen Reihenfolge weiter. Erstens: auf welchem Untergrund werden die meisten Kilometer gelaufen? Asphalt verlangt mehr Sohle als Waldboden, und diese Antwort schließt bereits die Hälfte der Modelle aus. Zweitens: wie breit ist der Fuß an der Ballenlinie, gemessen im Stehen? Dieser Wert entscheidet unabhängig vom Rest, denn ein Schuh, der zu schmal ist, wird durch keine andere Eigenschaft besser. Drittens: wie lange läuft die Person schon in flachen Schuhen? Wer neu einsteigt, nimmt aus dem verbleibenden Feld das Modell mit der dickeren Sohle, nicht das dünnste.

Diese Reihenfolge ist deshalb wichtig, weil sie die Kriterien nach ihrer Härte sortiert. Die Fußbreite ist ein festes Maß und nicht verhandelbar. Der Untergrund ändert sich vielleicht saisonal, aber nicht wöchentlich. Die eigene Erfahrung wächst mit der Zeit, weshalb das dünnste Modell eine Option für später bleibt und keine Entscheidung für heute sein muss.

Was in dieser Aufzählung bewusst fehlt, ist das Gewicht. Unter 250 Gramm spielt es für die meisten Distanzen eine kleinere Rolle als jede der drei Fragen oben, und es ist der Wert, den Hersteller am liebsten in den Vordergrund stellen, weil er sich gut vergleichen lässt. Ein leichter Schuh in der falschen Breite bleibt der falsche Schuh.

Sohlendicke der vier Straßenmodelle
Balkendiagramm: sohlendicke der vier Straßenmodelle, 4 Balken im gleichen Maßstab
  • Balken 1 von oben: Vivobarefoot Primus Lite, 4,0 mm
  • Balken 2 von oben: Xero Shoes HFS II, 5,5 mm
  • Balken 3 von oben: Merrell Vapor Glove 6, 6,5 mm
  • Balken 4 von oben: Vibram FiveFingers V-Run, 8,5 mm
  • Die Skala beginnt bei 0 mm, ein kurzer Teilstrich ist 1 mm

Häufige Fragen

Ab welcher Sprengung ist es kein Barfußschuh mehr?

Ab jedem Wert über 0 mm. Modelle mit 4 mm oder 6 mm werden als Minimalschuhe verkauft und sind ein sinnvoller Zwischenschritt, aber sie nehmen der Achillessehne einen Teil der Dehnung ab.

Wie dünn darf die Sohle für den Anfang sein?

Für die ersten Wochen sind 6 mm bis 8 mm angenehmer als 3 mm. Die Rückmeldung reicht aus, die Fußsohle bekommt aber Zeit, sich an die punktuelle Belastung zu gewöhnen.

Passt ein Barfußschuh in der gewohnten Größe?

Meist nicht. Weil die Zehen Platz brauchen und die Sohle sich nicht vorwölbt, fällt die Innenlänge knapper aus. Entscheidend ist die Ballenbreite, nicht die Nummer.

Sind Barfußschuhe bei Fußbeschwerden geeignet?

Das hängt von der Ursache ab. Bei Diabetes, einer Neuropathie oder einer akuten Plantarfasziitis gehört der Umstieg vorher ärztlich abgeklärt.