23. Mai 2019 · Beste Schuhe · Jana Ebersbach
Barfußschuhe Herren im Test: Vergleich nach Sprengung und Sohle
Barfußschuhe Herren sind keine größeren Damenmodelle. Sie fallen an der Ballenlinie breiter aus, wiegen mehr und werden häufiger für höheres Körpergewicht ausgelegt. Diese drei Unterschiede entscheiden bei Barfußlaufschuhen mehr über die Passform als die Nummer auf dem Karton.
Was sich zwischen Herren- und Damenmodellen unterscheidet
Die meisten Hersteller bauen dieselbe Serie in zwei Leisten. Der Unterschied liegt selten nur in der Länge: die Herrenversion ist an der Ballenlinie typischerweise drei bis sechs Millimeter breiter, hat eine geringfügig höhere Ferse im Innenraum und eine etwas dickere Sohle, weil die Auslegung von einem höheren Durchschnittsgewicht ausgeht.
Für Barfußlaufschuhe ist der erste Punkt der entscheidende. Der ganze Sinn dieser Kategorie liegt darin, dass die Zehen sich beim Abdruck spreizen können, und die dafür nötige Innenweite wächst mit der Länge kaum mit. Wer eine Ballenbreite von 104 mm hat, findet in der Herrenlinie Modelle, die passen, und in der Damenlinie derselben Serie meist keine, unabhängig von der Größe.
Der zweite Punkt betrifft das Gewicht. 200 g bis 250 g sind bei Herrenmodellen normal, gegenüber 160 g bis 200 g bei Damenmodellen. Über eine kurze Einheit ist das unerheblich, über einen langen Lauf summiert es sich auf mehrere tausend zusätzliche Hebungen.
| Modell | Sprengung | Sohle | Zehenbox | Gewicht | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Merrell Vapor Glove 6 | 0 mm | 6,5 mm | 96 mm | 182 g | Straße |
| Vivobarefoot Primus Lite | 0 mm | 4,0 mm | 101 mm | 198 g | Straße |
| Xero Shoes HFS II | 0 mm | 5,5 mm | 104 mm | 201 g | Straße |
| Vivobarefoot Primus Trail II | 0 mm | 4,0 mm | 102 mm | 245 g | Trail |
| Merrell Trail Glove 7 | 0 mm | 6,5 mm | 97 mm | 236 g | Trail |
| Freet Feldom | 0 mm | 3,0 mm | 106 mm | 218 g | Trail |
| Vibram FiveFingers V-Run | 0 mm | 8,5 mm | anatomisch | 168 g | Straße |
| Xero Shoes Scrambler Low | 0 mm | 5,5 mm | 105 mm | 291 g | Trail |
Tabelle seitlich verschiebbar
- Umriss im Stehen nachziehen, nicht im Sitzen
- Querlinie an der breitesten Stelle des Ballens
- Rechte Maßlinie: die Fußlänge
- Im Sitzen fällt der Fuß bis zu 8 mm schmaler aus
Der Unterschied ist in den Datenblättern schlecht dokumentiert und in der Passform deutlich zu merken: dieselbe Serie fällt für Herren an der Ballenlinie zwei bis drei Millimeter breiter aus und wiegt acht bis siebzehn Gramm mehr. Wer bei Herren nach der Nummer statt nach der Breite kauft, kauft an der falschen Spalte entlang.
Breite Füße: der häufigste Grund für einen Fehlkauf
Barfußschuhe Herren fallen an der Ballenlinie zwei bis drei Millimeter breiter aus als die Damenlinie derselben Serie – das reicht bei einem breiten Fuß über die Entscheidung, bei einem schmalen nicht. Barfußlaufschuhe werden trotzdem nach der Länge gekauft, und genau daran scheitert der Kauf.
Die eigene Ballenbreite entscheidet hier vor allen anderen Spalten; der Ballenbreiten-Rechner nimmt den gemessenen Wert und streicht die Modelle, die von vornherein zu schmal sind.
Zwischen 96 mm und 106 mm liegen zehn Millimeter, und das ist in dieser Kategorie der Unterschied zwischen passend und unbrauchbar. Wer die eigene Ballenbreite nicht kennt, kauft nach Gefühl und landet bei den bekannten Namen, die nicht automatisch die breiten sind.
Die Messung dauert zwei Minuten. Auf ein Blatt Papier stellen, mit dem vollen Gewicht, den Umriss mit senkrecht gehaltenem Stift nachziehen, an der breitesten Stelle quer über den Ballen messen. Im Sitzen fällt der Fuß bis zu acht Millimeter schmaler aus, weshalb sitzende Messungen systematisch zu enge Schuhe ergeben. Zwei Millimeter Luft auf jeder Seite sind ein sinnvoller Zielwert, weil der Fuß beim Abdruck breiter wird.
Der Vergleich läuft dann gegen die Innenweite, nicht gegen die Außenbreite der Sohle. Die Sohle ist bei fast allen Modellen breiter als der Raum darin, und Herstellerangaben nennen häufig das Außenmaß, weil es besser aussieht. Wo nur eine Sohlenbreite steht, ist die Angabe für diesen Zweck wertlos.
Sohlendicke nach Untergrund, nicht nach Gefühl
Die dünnsten Modelle in der Tabelle liegen bei 3 mm, die dicksten bei 8,5 mm, und beide Enden haben ihren Ort. Auf trockenem Waldboden liefert die dünne Sohle die Rückmeldung, die vor Fehltritten schützt, während der Boden selbst federt. Auf Asphalt kommt die Belastung bei jedem Schritt an derselben Stelle an, und dort sind 6 mm bis 8 mm über eine Stunde deutlich angenehmer, ohne dass die Nullsprengung aufgegeben wird.
Bei höherem Körpergewicht verschiebt sich der sinnvolle Bereich nach oben, und zwar aus einem konkreten Grund: die Belastung pro Aufsetzer steigt, während die Anpassungszeit des Mittelfußknochens gleich bleibt. Wer über 90 Kilogramm wiegt und auf Asphalt läuft, ist mit 8 mm besser bedient als mit 4 mm, auch wenn beide dieselbe Sprengung haben.
Für Trail kommt die Stollenhöhe dazu, die in der Tabelle nicht steht, weil sie sich schlecht mit Straßenmodellen vergleichen lässt. Als Faustwert: 2 mm bis 3 mm reichen auf trockenem Waldboden, ab 4 mm greift das Profil auch in nassem Lehm, kostet aber Bodengefühl auf harten Wegen.
Der Test beim Anprobieren: drei Prüfungen, die zählen
Drei Prüfungen entscheiden mehr als jeder Testbericht. Die Länge im Stehen: mit belastetem Fuß etwa eine Daumenbreite vor der längsten Zehe, und die längste ist bei etwa jedem fünften Fuß die zweite und nicht die große. Die Breite unter Last: wenn sich das Obermaterial an der Ballenlinie seitlich spannt, sobald das Gewicht darauf steht, ist die Box zu eng, und eine Nummer größer ändert daran fast nichts.
Die dritte ist der Verwindungstest: den Schuh an Spitze und Ferse fassen und gegeneinander drehen. Ein echter Barfußlaufschuh gibt sichtbar nach. Eine steife Sohle oder eine eingebaute Steinschutzplatte merkt man sofort, und beide gehören in eine andere Kategorie als die, die man gerade kaufen wollte.
Anproben gehören ans Ende des Tages, mit der Socke, die später getragen wird. Der Fuß ist abends messbar größer, und eine dicke Socke füllt genau den Zehenraum aus, für den diese Schuhe gebaut sind.
Was das Gewicht über die Distanz ausmacht
Zwischen dem leichtesten Modell in der Tabelle mit 168 g und dem schwersten mit 278 g liegen 110 g pro Fuß. Über einen Halbmarathon setzt der Fuß etwa 12.000 bis 15.000 Mal auf, über einen Marathon 25.000 bis 30.000 Mal, und jedes Mal muss dieses Gewicht mit angehoben werden. Auf einer Fünf-Kilometer-Runde ist der Unterschied nicht spürbar; auf den letzten Kilometern eines langen Laufs sehr wohl.
Trotzdem ist das Gewicht das Kriterium, das am seltensten entscheiden sollte, weil es das einzige der vier Tabellenwerte ist, das sich durch etwas anderes ausgleichen lässt. Ein 60 g schwererer Schuh mit passender Zehenbox ist besser als ein leichter mit zu enger, weil ein zu schmaler Vorfuß über dieselbe Distanz Blasen und Druckstellen produziert, die kein Gramm wieder gutmacht.
Die Reihenfolge lautet deshalb: erst Zehenbox, dann Sohlendicke passend zum Untergrund, dann Gewicht. Hersteller bewerben die Reihenfolge genau umgekehrt, weil Gramm sich vergleichen lassen und Innenweiten selten im Datenblatt stehen.
Trail und Straße im Vergleich innerhalb einer Serie
Vier der acht Modelle in der Tabelle sind Trailversionen, und der Vergleich innerhalb einer Serie zeigt, was sich tatsächlich ändert. Beim Primus bleibt die Sohlendicke bei 4 mm und die Zehenbox nahezu identisch; dazu kommen Profil, ein verstärkter Zehenschutz und rund 47 g Mehrgewicht. Beim Glove ist es ähnlich: gleiche 6,5 mm Sohle, 43 g mehr, ein grifferes Profil.
Das heißt praktisch, dass die Trailversion für die Straße nicht falsch ist, nur schwerer und mit einem Profil, das auf Asphalt schneller abnutzt. Umgekehrt gilt es nicht: ein glattes Straßenprofil auf nassem Lehm rutscht, und dagegen hilft keine Sohlendicke.
Wer nur ein Paar kaufen will und beides läuft, nimmt die Trailversion und akzeptiert das Mehrgewicht. Wer überwiegend Straße läuft und gelegentlich einen trockenen Waldweg mitnimmt, ist mit dem Straßenmodell besser bedient.
Warum es hier keinen Testsieger gibt
Wer nach einem Testsieger sucht, sucht nach einer Abkürzung, und in dieser Kategorie führt sie regelmäßig zum Fehlkauf. Ein Testsieger setzt voraus, dass ein Modell für alle das beste ist. Bei Barfußschuhen entscheidet aber die Innenweite der Zehenbox an der eigenen Ballenlinie, und die ist von Fuß zu Fuß um bis zu neun Millimeter verschieden – mehr als der Abstand zwischen dem schmalsten und dem weitesten Modell in dieser Übersicht.
Was diese Seite stattdessen liefert, ist die Tabelle mit den Werten und die Reihenfolge, in der sie zu lesen ist. Zwei Läufer mit derselben Schuhgröße kommen darin zu zwei verschiedenen Modellen, und beide haben recht. Ein Testsieger hätte einen von beiden in den falschen Schuh geschickt.
Was in dieser Übersicht bewusst fehlt
Es gibt keine Punktzahl und keine Reihenfolge. Ein Modell mit 3 mm ist nicht besser als eines mit 8,5 mm; sie sind für verschiedene Untergründe und verschiedene Erfahrungsstände gebaut. Eine Note würde eine Rangfolge behaupten, die es nicht gibt, und sie würde die Entscheidung an genau der Stelle abnehmen, an der sie von der eigenen Fußbreite abhängt.
Ebenfalls nicht aufgeführt sind Preise. Sie schwanken saisonal stärker als jeder andere Wert in der Tabelle und wären beim Lesen bereits veraltet. Für die Einordnung reicht die Größenordnung: Straßenmodelle dieser Kategorie liegen grob zwischen 90 und 150 Euro, Trailmodelle 20 bis 40 Euro darüber.
Verschleiß und wann ein Wechsel fällig ist
Bei Herrenmodellen tritt der Verschleiß meist früher ein als bei Damenmodellen derselben Serie, weil das höhere Körpergewicht direkt auf die Sohlendicke wirkt. Der Abtrag beginnt unter dem Ballen und an der Außenkante des Vorfußes, dort wo abgedrückt wird. Aus 6,5 mm werden an dieser Stelle nach einigen Hundert Kilometern 4 mm, während die Ferse noch nahe am Neuzustand liegt.
Damit bekommt der Schuh eine leicht negative Sprengung, die niemand gekauft hat, und der Fuß setzt anders auf als am ersten Tag. Der Kontrollblick dauert Sekunden: beide Schuhe von hinten auf eine gerade Fläche stellen. Kippt einer sichtbar nach innen oder außen, ist die Sohle asymmetrisch abgetragen und die Zahl im Datenblatt gilt nicht mehr.
Das Obermaterial altert parallel und wird häufiger übersehen. Eine ausgeweitete Zehenbox lässt den Fuß nach vorne wandern, besonders bergab, und drückt dann an der Spitze. Das fühlt sich an wie eine falsche Größe, ist aber Materialermüdung, und eine neue Nummer löst es nicht.
Praktisch heißt das für Barfußschuhe Herren: die Breite streicht die Modelle, der Untergrund wählt aus dem Rest, und die Erfahrung entscheidet, wie weit unten in der Sohlendicke gegriffen wird. In dieser Reihenfolge, nicht in einer anderen.
Zwei Paare statt einem
Wer regelmäßig läuft, fährt mit zwei Paaren besser als mit einem, und zwar nicht wegen der Abwechslung, sondern wegen der Trocknungszeit und der unterschiedlichen Anforderungen. Ein dünnes Paar für kurze und schnelle Einheiten, ein dickeres für die langen Läufe, beide mit derselben Sprengung, damit der Fuß nicht zwischen zwei Geometrien wechselt.
Die gleiche Sprengung ist dabei der wichtige Teil. Zwischen 0 mm und 4 mm hin und her zu wechseln bedeutet für die Achillessehne zwei verschiedene Arbeitsbereiche, und genau daraus entstehen die Reizungen, die sonst niemand erklären kann. Unterschiedliche Sohlendicken bei gleicher Sprengung sind dagegen unproblematisch.
Barfußschuhe Herren: womit der Vergleich beginnt
Der Vergleich in der Tabelle oben ist nach Einsatzbereich sortiert und nicht nach einer Bewertung, weil eine Rangfolge zwischen einem Straßenmodell mit 6,5 mm und einem Trailmodell mit 3 mm keinen Sinn ergibt. Was sich vergleichen lässt, sind die vier Zahlen pro Zeile, und die Reihenfolge, in der man sie liest, entscheidet über das Ergebnis.
Vor jedem Modellvergleich steht ein Wert, der nicht im Datenblatt eines Herstellers steht, sondern auf dem eigenen Blatt Papier: die Ballenbreite im Stehen. Wer sie kennt, streicht aus der Tabelle oben in zehn Sekunden die Hälfte der Zeilen und vergleicht danach nur noch Sohlendicke und Einsatzbereich. Wer sie nicht kennt, vergleicht acht Modelle, von denen mehrere von vornherein nicht passen.
- Balken 1 von oben: Merrell Vapor Glove 6, 94,0 mm
- Balken 2 von oben: Vivobarefoot Primus Lite, 98,0 mm
- Balken 3 von oben: Xero Shoes HFS II, 101,0 mm
- Die Skala beginnt bei 0 mm, ein kurzer Teilstrich ist 1 mm
Häufige Fragen
Passen Barfußlaufschuhe in der gewohnten Größe?
Meist nicht. Die Innenlänge fällt knapper aus, weil die Sohle sich nicht vorwölbt und die Zehen Platz brauchen. Entscheidend ist die Innenweite an der Ballenlinie, nicht die Nummer.
Welche Sohlendicke für den Einstieg?
Auf Asphalt 6 mm bis 8 mm, auf Waldboden 4 mm bis 5 mm. Die dünnsten Modelle sind ein Ziel für später, kein Einstieg.
Reicht ein Straßenmodell auch für den Wald?
Auf trockenem Waldboden ja. Was dagegen spricht, steht bei den Herrenmodellen aber nicht in der Grip-Spalte, sondern in der Gewichtsspalte: die Straßenmodelle in dieser Übersicht wiegen 168 bis 201 Gramm, die Trailmodelle 218 bis 291. Selbst das leichteste Trailmodell liegt damit 17 Gramm über dem schwersten Straßenmodell, das schwerste 123 Gramm über dem leichtesten. Wer für gelegentliche Waldrunden ein Trailmodell kauft, zahlt den Grip auf jedem Schritt der übrigen Kilometer mit.
Wie lange hält ein solcher Schuh?
Bei dünnen Sohlen grob 400 bis 700 Kilometer, bei dickeren 700 bis 1000. Das Obermaterial weitet sich oft früher aus als die Sohle abgetragen ist.