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14. August 2024 · Laufen ·

Software für die Orthopädie-Schuhtechnik: Funktionen im Überblick

Die Orthopädie-Schuhtechnik fertigt Einzelstücke in Serie: jeder Leisten ist anders, jede Einlage ist eine eigene Konstruktion, und trotzdem muss der Betrieb kalkulierbar bleiben. Software entscheidet dabei weniger über die handwerkliche Qualität als über den Durchsatz und die Nachvollziehbarkeit.

Der Einlagenrohling, vor der Anpassung
Ein unbearbeiteter orthopädischer Einlagenrohling aus hellbeigem Kunststoff liegt flach auf weißem Papier, von oben aufgenommen; er hat eine erhöhte Gewölbestütze und eine geformte Fersenschale, daneben liegt eine metallene Schieblehre mit geöffneten Backen an der dicksten Stelle

Die Software rechnet mit Millimetern an genau dieser Stelle – der Rohling ist der Ausgangswert, nicht das Ergebnis.

Die drei Bereiche, die eine Branchenlösung abdecken muss

Der erste ist die Erfassung. Wo früher Gipsabdruck und Trittschaum standen, arbeiten heute optische 3D-Scanner, die den Fuß in wenigen Sekunden als Punktwolke aufnehmen. Entscheidend ist weniger die Auflösung des Scanners als die Frage, ob das Format offen ist und sich in der Konstruktion weiterverarbeiten lässt, ohne über einen Konverter zu gehen.

Der zweite ist die Konstruktion. Aus dem Scan entsteht ein Leisten oder eine Einlagenkontur, und dieser Schritt ist der eigentliche fachliche Kern. Brauchbare Systeme arbeiten mit Bibliotheken von Grundformen, auf die die individuelle Abweichung aufgesetzt wird, statt jede Konstruktion bei null zu beginnen. Die Anbindung an die CNC-Fräse gehört zu diesem Bereich: was nicht direkt an die Maschine geht, wird von Hand nachgearbeitet.

Der dritte ist die Verwaltung: Kundenakte, Verordnung, Kostenvoranschlag, Abrechnung mit den Kostenträgern und Dokumentation. Dieser Teil ist fachlich unspektakulär und im Alltag der zeitfressendste, weil an ihm die Fristen und die Nachweispflichten hängen.

Übersicht der führenden Softwareanbieter

Im Bereich der Orthopädie-Schuhtechnik gibt es mehrere Branchensoftware, die sich durch spezialisierte Funktionen und eine hohe Nutzerzufriedenheit auszeichnen. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der führenden Anbieter:

  1. OrthoSoft: Eine umfassende Lösung, die speziell für die Orthopädie-Schuhtechnik entwickelt wurde. OrthoSoft bietet Funktionen wie 3D-Scanning, CAD/CAM-Integration und ein robustes Kundenmanagementsystem.
  2. FootPro: Bekannt für seine Benutzerfreundlichkeit und die Integration von 3D-Scanning-Technologie, ermöglicht FootPro eine nahtlose Verbindung zwischen Design und Produktion als auch Abrechnung.
  3. CustoFit: Eine flexible Software, die sowohl für kleine als auch große Betriebe geeignet ist. CustoFit bietet starke Werkzeuge zur Produktionsplanung und Qualitätskontrolle.
  4. ShoeTech Pro: Eine fortschrittliche Software, die sich durch ihre umfangreiche Maschinenintegration und die Unterstützung von CNC-Maschinen auszeichnet.
Die drei Bereiche einer Branchenlösung
Drei Stationen auf einer Linie für Erfassung, Konstruktion und Verwaltung
  • Erste Station: Erfassung per 3D-Scan
  • Zweite Station: Konstruktion und CAD/CAM
  • Dritte Station: Verwaltung und Abrechnung
  • An jedem Übergang kann Genauigkeit verloren gehen

Woran sich die Systeme praktisch unterscheiden

Auf dem Papier decken alle vier ähnliche Bereiche ab. Der Unterschied zeigt sich an drei Stellen, die in Produktbeschreibungen selten auftauchen. Die erste ist die Datenhoheit: liegen Scans und Konstruktionen lokal oder beim Anbieter, und in welchem Format lassen sie sich exportieren, wenn der Vertrag endet. Bei Patientendaten ist das keine akademische Frage.

Die zweite ist die Maschinenanbindung. Ein System, das nur die Fräsen eines bestimmten Herstellers ansteuert, bindet den Betrieb an dessen Investitionszyklus. Wer eine ältere Maschine weiterbetreiben will, prüft die unterstützten Postprozessoren, bevor er die Software auswählt, nicht danach.

Die dritte ist die Abrechnungslogik. Die Anforderungen der Kostenträger ändern sich, und eine Software, die Positionsnummern und Genehmigungswege nicht zeitnah nachführt, verlagert diese Arbeit zurück an den Schreibtisch. Wie schnell ein Anbieter darauf reagiert, ist an der Historie der Aktualisierungen ablesbar und nicht am Funktionsumfang.

Der 3D-Scan verändert mehr als den Abdruck

Die naheliegende Wirkung ist die Zeitersparnis am Kunden: statt Gips anrühren, abbinden lassen und nacharbeiten genügen wenige Sekunden. Die größere Wirkung liegt woanders. Ein digitaler Scan ist reproduzierbar, vergleichbar und archivierbar. Ein Folgetermin nach einem Jahr lässt sich gegen den alten Datensatz stellen, und Veränderungen am Fuß werden damit messbar statt erinnerbar.

Das setzt allerdings voraus, dass die Aufnahmebedingungen gleich bleiben. Ein Fuß im Sitzen ist kürzer und schmaler als im Stehen, und ein Scan unter Teilbelastung sieht anders aus als unter vollem Gewicht. Wer Datensätze über Jahre vergleichen will, muss die Bedingung mit erfassen, sonst vergleicht er zwei verschiedene Zustände desselben Fußes.

Für die Konstruktion bedeutet der Scan zusätzlich, dass Korrekturen dokumentiert vorliegen. Welche Abweichung von der Grundform aus welchem Befund folgt, steht dann im Datensatz und nicht im Kopf des Technikers, der die Einlage gebaut hat.

Was die Einführung im Betrieb tatsächlich kostet

Die Lizenzkosten sind der kleinere Teil. Der größere ist die Umstellungszeit: bestehende Kundenakten migrieren, Mitarbeiter einarbeiten, Arbeitsabläufe neu ordnen, und das alles bei laufendem Betrieb. Realistisch sind mehrere Monate, in denen zwei Systeme parallel gepflegt werden, und genau diese Phase wird in der Planung regelmäßig unterschätzt.

Sinnvoll ist deshalb eine gestaffelte Einführung. Zuerst der Bereich, der am wenigsten mit dem Handwerk verzahnt ist, meist Verwaltung und Abrechnung. Danach die Erfassung, weil sie einen klaren Zeitgewinn bringt und die Akzeptanz im Team stärkt. Zuletzt die Konstruktion, weil dort das meiste Erfahrungswissen steckt und die Umstellung am längsten dauert.

Ein Detail entscheidet über die Akzeptanz mehr als der Funktionsumfang: wie viele Klicks ein Standardvorgang braucht. Ein System, das für die häufigste Tätigkeit des Tages drei Schritte mehr verlangt als das alte, wird umgangen, unabhängig davon, was es sonst kann.

Wo die Grenze der Digitalisierung liegt

Bei aller Automatisierung bleibt der Beruf ein handwerklicher, und die Software verschiebt nur, an welcher Stelle die Erfahrung gebraucht wird. Früher steckte sie im Abdruck und im Ausschleifen, heute in der Befundung und in der Beurteilung dessen, was die Konstruktion vorschlägt. Weniger wird sie dadurch nicht.

Der Scan erfasst die Form, nicht die Funktion. Wie ein Fuß beim Gehen abrollt, wo er unter Last nachgibt und welche Beschwerden er verursacht, steht in keiner Punktwolke. Die Befundung bleibt fachliche Arbeit am Menschen, und eine Software, die etwas anderes verspricht, verkauft eine Automatisierung, die es nicht gibt.

Ebenso bleibt die Nacharbeit am Werkstück. Eine gefräste Einlage kommt aus der Maschine nah an der Zielform, aber die letzten Zehntel entstehen von Hand, nach Anprobe und Rückmeldung. Der Anteil dieser Nacharbeit sinkt mit besserer Konstruktion, er wird aber nicht null.

Realistisch ist der Nutzen dort am größten, wo Wiederholung und Dokumentation zusammenkommen: bei Versorgungen, die regelmäßig erneuert werden, und bei Betrieben mit mehreren Technikern, zwischen denen Wissen übergeben werden muss. Für einen Einzelbetrieb mit langjähriger Kundschaft und eingespielten Abläufen fällt die Rechnung anders aus.

CAD/CAM: was zwischen Scan und Fräse passiert

Der Weg vom Datensatz zum Werkstück verläuft über drei Zwischenschritte, und an jedem kann Genauigkeit verloren gehen. Zuerst wird die Punktwolke zu einer geschlossenen Fläche gerechnet, was bei Lücken im Scan eine Interpolation bedeutet. Dann folgt die Konstruktion, also das Aufsetzen der Korrektur auf eine Grundform. Zuletzt erzeugt der Postprozessor aus der Konstruktion die Maschinenbahnen.

Der dritte Schritt ist der, über den am wenigsten gesprochen wird und der über die Oberflächenqualität entscheidet. Fräsbahnabstand, Werkzeugdurchmesser und Anstellwinkel bestimmen, wie viel Nacharbeit anfällt. Eine Software, die hier nur wenige Voreinstellungen anbietet, zwingt den Betrieb in einen Kompromiss zwischen Frästempo und Oberfläche.

Für Einlagen gilt zusätzlich, dass das Material mitspielt. Ein weicher Schaum lässt sich anders fräsen als ein harter Kork-Verbund, und die Parameter dafür gehören in die Materialbibliothek der Software und nicht in den Kopf desjenigen, der die Maschine gerade bedient. Wo diese Bibliothek fehlt, wird jedes neue Material zu einer Versuchsreihe.

Dokumentation ist kein Nebenprodukt

Bei Versorgungen zu Lasten der Kostenträger hängt an der Dokumentation die Abrechnung. Verordnung, Befund, Konstruktionsbegründung, Anprobe und Auslieferung müssen nachvollziehbar zusammenhängen, und im Streitfall entscheidet, ob dieser Zusammenhang aus den Unterlagen hervorgeht. Eine Software, die den Fertigungsdatensatz und die kaufmännische Akte getrennt hält, erzeugt genau an dieser Stelle Arbeit.

Der praktische Test bei einer Vorführung ist einfach und wird selten gestellt: sich einen abgeschlossenen Vorgang von vor zwei Jahren zeigen lassen und fragen, wie viele Schritte es braucht, um Befund, Konstruktion und Rechnung nebeneinander zu sehen. Wenn dafür drei Programme geöffnet werden, ist die Frage beantwortet.

Aufbewahrungsfristen kommen dazu. Sie liegen je nach Unterlage im Bereich mehrerer Jahre, und sie gelten unabhängig davon, ob der Softwarevertrag noch läuft. Ein Betrieb, der nach einem Anbieterwechsel nicht mehr an seine alten Vorgänge kommt, hat ein rechtliches und kein technisches Problem.

Schnittstellen nach außen

Kaum ein Betrieb arbeitet allein. Verordnungen kommen aus Praxen, Abrechnungen gehen an Kostenträger oder Abrechnungsdienstleister, und Material wird bei Lieferanten bestellt. Jede dieser Verbindungen ist entweder eine Schnittstelle oder eine manuelle Übertragung, und die Zahl der manuellen Übertragungen ist ein guter Indikator für den tatsächlichen Zeitaufwand im Alltag.

Sinnvoll ist es, vor der Auswahl die eigenen Außenkontakte aufzuschreiben und dann zu prüfen, welche davon das System direkt bedient. Eine Lösung mit weniger Funktionen, die die drei wichtigsten Wege automatisiert, spart mehr Zeit als eine umfangreichere, die alle drei über Export und Import abbildet.

Materialbibliothek und Kalkulation

Eine Funktion, die in Vorführungen selten gezeigt wird und im Alltag täglich gebraucht wird, ist die Verbindung zwischen Materialstammdaten und Kalkulation. Wenn hinterlegt ist, welcher Rohling wie viel kostet und wie viel Verschnitt eine bestimmte Konstruktion erzeugt, entsteht der Kostenvoranschlag aus dem Vorgang selbst. Wo diese Verbindung fehlt, wird kalkuliert wie vorher: nach Erfahrung, mit einem Aufschlag für Unsicherheit.

Der Unterschied wird bei Sonderversorgungen deutlich. Eine Konstruktion, die mehr Material und mehr Frästzeit braucht, ist ohne hinterlegte Daten schwer zu begründen, und genau solche Fälle landen im Streit mit dem Kostenträger. Mit einer sauberen Bibliothek liegt die Begründung im Vorgang.

Praktisch lohnt es sich, vor der Auswahl die zehn häufigsten eigenen Versorgungen aufzulisten und den Anbieter zu bitten, eine davon vollständig durchzurechnen. Was dabei an Nachfragen entsteht, sagt mehr über die Alltagstauglichkeit als jede Funktionsliste.

Schulung und was danach bleibt

Jede Einführung enthält Schulungstage, und ihr Nutzen hängt weniger vom Umfang als vom Zeitpunkt ab. Eine Schulung vor der Migration vermittelt Funktionen an Beispielen, die niemand kennt; dieselbe Schulung zwei Wochen nach der Migration vermittelt sie an den eigenen Vorgängen, und das bleibt hängen. Wer die Reihenfolge tauschen kann, sollte es tun.

Der zweite Punkt betrifft die Verteilung im Team. Es lohnt sich, eine Person je Bereich tiefer einzuarbeiten statt alle gleichmäßig oberflächlich. Fragen aus dem Alltag landen dann intern und werden in Minuten geklärt, statt über eine Hotline zu laufen, die im Zweifel am nächsten Tag zurückruft.

Eine Anschaffung in dieser Größenordnung entscheidet sich selten am Funktionsumfang, sondern daran, ob sich die vorhandenen Daten migrieren lassen und wie lange der Betrieb während der Umstellung eingeschränkt ist.

Häufige Fragen

Ersetzt der 3D-Scan den Gipsabdruck vollständig?

Für die Formerfassung in den meisten Fällen ja. Bei stark deformierten Füßen und bei Versorgungen, die eine Korrekturstellung abbilden müssen, bleibt der Abdruck eine Option.

Worauf sollte ein Betrieb bei der Auswahl zuerst achten?

Auf die Exportierbarkeit der eigenen Daten und auf die unterstützten Maschinen. Beides ist nach der Entscheidung nur mit hohem Aufwand zu ändern.

Wie lange dauert die Einführung?

Realistisch mehrere Monate bei laufendem Betrieb, weil Altdaten migriert und Abläufe neu geordnet werden. Eine gestaffelte Einführung nach Bereichen verkürzt die Phase mit zwei parallelen Systemen.

Lohnt sich das für einen Einzelbetrieb?

Der Nutzen steigt mit der Zahl der Techniker und mit dem Anteil wiederkehrender Versorgungen. Bei einem Einzelbetrieb mit eingespielten Abläufen ist die Rechnung offener.